Metropolmarathon Fürth

Wann:
So, 15. Juni 2008
Kategorie:
2008

Metropol-Marathon Fürth - 15.06.2008

 

Teilnehmer: 

Blauberger Willy     3:28:26  Std  ges. Pl. 155   50 Pl.M 40

Plagemann Peter     3:47:51  Std  ges. PL  326   64 Pl.M 45 (Bestzeit)

Betz Werner             4:07:38  Std. ges. Pl. 522  120 PL.M 45 ( erster Marathon)

Rottmann Rainer     4:11:17  Std. ges. Pl. 557  145 Pl.M 40

 

Endlich hab ich es geschafft!!!!!

 

 

Oh man, wenn mir einer vor ein paar Jahren mal gesagt hätte, dass ich irgend wann mal einen Marathon laufe und dann auch noch unter vier Stunden bleibe, den hätte ich ausgelacht und hätte ihn für verrückt erklärt. Ich kann es immer noch nicht so richtig einordnen, was mir da passiert ist.

Wie viel bin ich gelaufen, was hab ich trainiert, und dann kommt so ein Sonntag, an dem einfach alles mal so richtig geklappt hat, aber so was von richtig.

 Schon am Morgen beim Aufstehen hab ich mich gut gefühlt und auch die Anreise und das alles drum herum hat mich so richtig gepuscht.

 Wir waren zu viert, zwei alte Marathonhasen Rainer u. Willy, ein Neuling auf dieser Strecke, der Werner und ich.

Mit dabei unser Edelfan Petra, die ja mittlerweile kein Rennen mehr ausläßt und an der Strecke immer für Stimmung sorgt.

Alle waren wir irgendwie locker drauf, jeder hatte Spaß und Rainer machte Bilder am laufenden Band. Ich glaube für ihn alleine haben sie die Digicams erfunden.

Kurz vor Neun ordneten wir uns dann im Startbereich ein, klatschen uns ab und freuten uns, dass es nun losging.

Geile Musik schickte uns auf den Weg, und so lief ich von Anfang an nach der Marsch-Tabelle vom Jochen und den Vorgaben von meinem Privattrainer Friedwald.

Die ersten 10 Kilometer genau im Soll in 48 min.  Beim Halben war ich bei 1:42 Std und da plagten mich schon die Gedanken, ob ich nicht vielleicht zu schnell bin. Denn wenn ich knapp unter Vier bleiben will, dann habe ich jetzt schon 18 Min. rausgelaufen. Jetzt hieß es das Tempo so beibehalten, denn wie jeder weiß, kommt ja das dicke Ende meist so um Kilometer 35.

Was sich die Fürther da alles einfallen lassen haben auf der Strecke, war schon super. Einmal kamen wir durch ein Bierzelt, in dem eine Rockband spielte, das andere mal ein kleiner Waldweg, eine Stadionrunde, alles war dabei. Auch die Versorgungsstände aller erste Sahne, so gab es ab KM 24 sogar Energiegel´s, eigentlich alles, was die verschiedenen Läufer so brauchen.

So ab KM 30 begann dann die Phase, wo ich immer mehr zu denken angefangen habe, und alle Szenarien durchgespielt habe. Was ist, wenn ich einen Krampf kriege, was ist, wenn mir wieder schlecht wird, was ist, wenn du es einfach wieder nicht schaffen solltest. In dieser Phase kam für mich das Highlight auf der Strecke, das Durchlaufen der Grünen Halle.

Roter Teppich war ausgelegt und durch einen Spalier ging es durch die Halle, einfach geil, genau das, was ich jetzt gebraucht habe. Ich puschte mich noch mal richtig hoch, drehte meinen MP3-Player bis fast zum Anschlag hoch und sagte mir, dass mir das heute keiner mehr nehmen kann. Bei KM 38 überholte mich der 3:45 Ballon aber auch das konnte mich nicht mehr ärgern, weil ich wusste, wenn du nur locker weiter läufst, dann hast du es heute. Endlich kam ich dann Richtung Innenstadt und der Blick auf die Uhr ließ mich lächeln, soweit das noch wie ein Lächeln aussah.

Der Lärm der Zuschauer wurde immer lauter und von weitem sah ich schon die Zeitnahme und die Uhr war noch weit unter vier Stunden. Gänsehaut überkam mich, aber noch war ich nicht drin. Da erst merkte ich so richtig, dass ich ja auch noch unter der 3:50 Marke war. Spinn ich? Dachte ich mir, bin ich irre oder was, ich war schier am Ausrasten. Mit jubelnden Gebrüll rannte ich, so weit man das noch Rennen nennen konnte, oder besser gesagt ich eierte dem Ziel entgegen. Auf einmal vernahm ich lautes Gebrüll. Petra flippte am Rand fast aus und zu meiner Überraschung waren auch Andrea und Jochen da und brüllten mich sozusagen die letzten Meter ins Ziel. Mit einem Urschrei und erhobenen Händen überquerte ich die Ziellinie bei 3:47:51 Std. Mein Körper reagierte mit Gänsehautschauern und mir liefen die Tränen übers Gesicht. Ich fiel Willy um den Hals der mich erstmal kräftig drückte und dann sank ich erschöpft auf den Boden. Endlich, dachte ich mir, endlich hab ich es geschafft. Von nun an Erste Freaky Garnitur, von nun an kein Marathonjogger sondern Marathonläufer, wie mein Schwager Franz immer zusagen pflegt.

Ich hätte am liebsten alle umarmt, aber ich konnte nicht mehr.

Irgendwann bin ich dann wieder aufgestanden und umher geirrt, habe alle Läufer die mir begegnet sind gratuliert, ich glaube mein Grinsen war so breit, man hätte mir die Mundwinkel an den Ohren festmachen können.

Als ich dann meine Schnecke im Arm hatte, war das ein irre Gefühl, denn ihr hab ich die Zeit gewidmet, weil sie mich immer wieder unterstützt und immer mehr wie darunter gelitten hat, dass nie so geklappt hat mit den vier Stunden. Voller Stolz zog ich mir mein „Endlich Erste Garnitur“ Shirt über und genoss jeden Augenblick im Zielbereich. Von ein paar Bambergern, den Fruit Runners, kamen Zurufe, ob ich es geschafft hätte und immer wieder die gleiche Antwort: JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA.

Auf einmal fiel mir Werner wieder ein, war er auch schon da oder läuft er noch. Ich begab mich zur Ziellinie und schaute, da sprach mich einer von LG Bamberg an und meinte, dass der Werner gleich kommen müsste, weil er ihn gerade überholt hatte. Als Werner im Ziel war, drückte ich den großen Mann erstmal und gratulierte ihm zum Finish über die Marathondistanz. Obwohl er heimlich mit der 4 Stundenmarke geliebäugelt hatte, war er doch mit seiner Zeit sehr zufrieden. Rainer war dann auch schon da und machte da weiter, wo er beim Start aufgehört hatte. Er schoss ein Photo nach dem anderen.

Ein bisschen Quatschen und dann mit dem Bus zum Duschen und wieder zurück an die Strecke.

Gerade noch rechtzeitig, um den Zieleinlauf von Simon Beresford mit zu erleben. Wahrscheinlich kennt den keiner, aber er ist der erste Mensch mit dem Downsyndrom, der einen Marathon komplett absolviert hat. Für mich ein sehr bewegender Moment, wenn man sieht, dass er trotz seiner Behinderung soviel Lebensfreude versprüht und gerade deshalb so an seine Leistungsgrenze geht. Allergrößten Respekt.

Übrigens lief ja bei diesem Lauf auch die Marathonstaffel vom Team 21, Menschen mit Downsyndrom, mit. Klasse, was hier die Marathon-Anita auf die Beine gestellt hat, dies verdient allergrößte Hochachtung, vor allen aber für die Kinder, die dort mit gelaufen sind.

Tja, nun hab ich mein großes Ziel erreicht, und was kommt jetzt? Erstmal danke an alle, vorab an meine Schnecke, an Jochen und Frieda und an Bernd, ohne sein Überreden zum Marathonlaufen, hätte ich das alles nicht erlebt. An alle Freakys, die mir immer wieder zugeredet haben und mich aufgebaut haben, wenn es mal wieder nicht geklappt hat.

Große Ziele hab ich im Moment keine, ich will einfach nur genießen, und wer mich kennt, der weiß, dass ich noch lange davon zehren werde.

 Euer Lauf-Opa der 3:47:51 Std. Läufer

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